MC Leadership Interview mit Sandra Kolleth, 23.3.2021

MCL

Nach dem Studium an der WU startete Sandra Kolleth ihre berufliche Laufbahn bei Xerox Austria im Vertrieb und Marketing. 2004 in sie dort in die Geschäftsleitung aufgestiegen und 2013 wurde sie General Managerin der Xerox Austria GmbH als auch der Xerox Global Services GmbH berufen. 

Im Herbst 2018 hat Sandra Kolleth zu Miele Österreich gewechselt, wo sie seit 1. November 2018 die Geschäftsführung für Miele Österreich, Slowenien und Kroatien innehat. Mit ihr hat Miele Österreich nun erstmals eine weibliche Geschäftsführerin.

Für Sandra Kolleth sind das Markenversprechen „Immer besser“ und das Motto „Wir geben aufeinander acht“ essentiell in ihrer täglichen Verantwortung für Miele Österreich und die rund 650 Mitarbeiter.  

Henrietta Egerth-Stadlhuber, Vizepräsidentin des MC, und Gerlinde Layr-Gizycki, Präsidentin des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs, sprachen mit Sandra Kolleth darüber, was sie als Managerin auszeichnet, welche Spuren sie hinterlassen möchte und was einen Tag für sie erfolgreich macht. 

Der Themenbogen spannte sich dabei über Führung, Diversität, Nachhaltigkeit bis hin zu den Herausforderungen die Corona mit sich bringt.

Für Sandra Kolleth ist es wichtig – frei nach Antoine de Saint Exupéry Spuren zu hinterlassen, und nicht nur Staub aufzuwirbeln. Dazu muss man neue, unbekannte Wege, Wege, die noch nicht so oft beschritten wurden, beschreiten. „Mir geht es darum Dinge zu bewegen. Und hier vor allem Menschen zu bewegen, mit Menschen zu arbeiten, Menschen weiterzubringen. Die größte Freude in der Führung ist es für mich, jemandem zu helfen sich weiterzuentwickeln. Spuren hinterlassen bedeutet für mich zu spüren, dass man eine Kultur beeinflussen kann. Das macht mir so richtig Spaß am Führen.“

Das Expertenwissen spielt für sie bei Führung eine nachgeordnete Rolle wie sie auf die Frage nach Ihrem Verhältnis zur Technik erklärte. „Natürlich muss ich die Dinge verstehen und ein gutes Grundwissen über unsere Produkte haben und ich muss vor allem die Bedürfnisse unserer Kunden verstehen. Aber ich muss nicht der beste Experte sein.“ Was bei den Produkten von Miele sicherlich einen großen Unterschied zu Xerox-Produkten macht, ist die Tatsache, dass man Miele Produkte emotional aufladen kann. Ich bin aus einem B2B-Geschäft ins B2C-Geschäft gewechselt. Am Ende steht heute der Konsument für mich und das ist etwas, das mir unheimlich Spaß macht. Zudem hatte ich bei Xerox nie das Gefühl, dass „Frau sein“ in der Technik ein limitierendes Thema ist. Wenn man sich einmal das Vertrauen seiner Kunden erarbeitet hat, funktioniert das sehr gut!“

Bei ihrem Wechsel von Xerox zu Miele hat Sandra nicht nur die Branche gewechselt, sondern auch die Unternehmenskultur.  Der Wechsel von einem amerikanischen, börsennotierten Konzern und einem deutschen in 4. Generation familiengeführten Unternehmen brachte hier große Veränderungen mit sich. Das sieht man auch beim Thema Diversität: „Obwohl gerade was die Diversität betrifft, beide Unternehmen andere Sichtweisen haben, wie das Thema angegangen wird, sind die Ergebnisse in beiden Fällen sehr gut. Was Miele an Programmen in diese Richtung weniger hat, machen wir damit wett, dass der Mensch und Mitarbeiter authentisch und ehrlich im Mittelpunkt steht. Damit herrscht viel Respekt und Diversität kann sich ganz natürlich ergeben indem sie vorgelebt wird.“

Miele ist 2019 Arbeitgeber des Jahres in Österreich geworden – und hat kurz nach dem Interview auch 2020 diesen Preis als erstes Unternehmen zum zweiten Mal in Folge wieder gewonnen. 

Sandra erläutert, dass Miele nie konkret auf diese Auszeichnung hingearbeitet hat.  Sie und das Miele Team haben sich aber sehr bewusst mit dem Thema Employer Branding auseinandergesetzt. Und zwar mit dem Fokus wer Miele als Arbeitgeber ist und wie uns unsere eigenen Mitarbeiter als Arbeitgeber sehen. Besonders wichtig ist ihr dabei: „Als Arbeitgeber muss man authentisch sein. Ich sage immer „man kann nicht branden, was nicht da ist“. 

Offenheit und Transparenz hat auch die Corona-Kommunikation bei Miele geprägt: „Gerade in der Krise haben wir dann von unseren Mitarbeitern irrsinnig positives Feedback zu unserer Kommunikationsarbeit bekommen. Ich habe lange Zeit jeden Tag eine Email an unsere Mitarbeiter geschrieben. Unser Motto „wir geben aufeinander Acht“ wird bei Miele seit 120 Jahren gelebt – und das war dann auch der Anker unserer Kommunikation.“ 

Zu Coronazeiten haben sich für das Geschäft von Miele wichtige Trends verstärkt. Sandra erläutert dazu: „Der Trend des Cocooning war schon vorher da und der wird sich halten. Es gibt hier zwei Subtrends: 1. Convenience und 2. Genussvolles Kochen. Hygiene ist gekommen um zu bleiben. Das Bewusstsein dafür ist heute ein ganz Anderes. Wir haben enorme Nachfragsteigerungen bei den Bereichen Putzen, Reinigen und Saugen. Wir haben im gewerblichen Bereich selbst Luftfilter auf den Markt gebracht.“

Ein ganz wesentliches Thema ist natürlich auch für Miele die Nachhaltigkeit. Sandra sieht diese Verantwortung aber nicht auf das Thema Umwelt beschränkt. „Nachhaltigkeit hat viele Aspekte bei uns. Es beginnt damit, dass wir als familiengeführtes Unternehmen langfristig denken, aber auch mittels 50% unserer Forschung und Entwicklungsausgaben in nachhaltige Themen fließen, wie zB. in die Steigerung der Energieeffizienz unserer Geräte. Interessanterweise schauen unsere Kunden beim Kauf von Haushaltsgeräten sehr wohl auf deren Energieeffizienz, nur nutzen dann bloß 5% der Konsumenten die besonders energieeffiziente Programme. Wir müssen also schauen, wie wir die effektive Nutzung diese Programme zugunsten der Umwelt bei unseren Konsumenten erhöhen. Vor einem Jahr sind wir in ein Start up eingestiegen, das sich mit dem Thema Vertical Farming beschäftigt. Auch Food Waste ist ein wichtiges Thema im Bereich der Nachhaltigkeit. Da gibt es viele spannende Themen, die uns beschäftigen.“

Abschließend erzählte uns Sandra, was für sie persönlich einen Tag zu einem erfolgreichen Tag macht und kam damit wieder zum Anfang des Gesprächs zurück:

„Das Gefühl zu haben, an dem Tag etwas mit Menschen bewegt zu haben. Sei es ein gutes Gespräch mit einem Kunden, einem Händler oder einem Mitarbeiter. Für mich ist persönliche Interaktion sehr wichtig. Persönliche Erlebnisse bereiten mir wahnsinnig viel Freude. Wichtig ist mir nicht nur was ich mache, sondern auch wie ich etwas mache. Ich möchte mich jeden Abend und jeden Morgen in den Spiegel sehen können. Das macht mich stolz!“